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Sr. Maria Magdalena Postel |
Die Gründerin der Ordensgemeinschaft der heutigen Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel wurde am 28.11.1756 im französischen Barfleur als Julie Postel geboren. Sie arbeitete lange Zeit als Lehrerin und gründete eine eigene Schule, in der sie arme Kinder unterrichtete.
Ihr vorrangiges Ziel war dabei, sich den Nöten und Sorgen der Jugend zu widmen. Statt sturem Einpauken des Stoffes standen kindliche Einsicht, Phantasie und natürliche Vernunft im Mittelpunkt ihrer Lehrtätigkeit. Julie Postel folgte mit dieser Erziehungsmethode der „Reformpädagogik“ Jean-Baptiste de la Sales.
1807 schließlich gründete Maria Magdalena, wie sie sich fortan nannte, in Cherbourg eine eigene Kongregation. In enger Verbindung zu ihrem bisherigen Wirken lautete ihr Leitsatz: „Die Jugend unterrichten, die Armen unterstützen und nach Kräften jedwedes Elend lindern.“
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Unter dieser Treppe versteckte |
Anstoß zu dieser eigenen Ordensgründung gaben Maria Magdalena Postel vor allem die Zeittendenzen. Mit dem Wirken anderer Orden war sie unzufrieden, denn deren Werk erschöpfte sich weitgehend in glanzvoller Repräsentation und feudaler Haushaltsführung. Dem setzte sie nun andere Ideale entgegen: Armut und Einfachheit.
Bewusst wandte sich die neue Kongregation somit vom Zeitgeist ab und gab sich selbst die Anweisung: „Niemals eröffnet Reichtum Eintritt in dieses Haus, sondern nur echte Berufung, denn wir verschmähen die Güter dieser Welt und folgen so nah wie möglich dem armen, gedemütigten Herrn Jesus Christus“.
Zum Anderen sah Maria Magdalena auch, dass sich nach der Französischen Revolution 1789 extreme Religionsfeindlichkeit ausbreitete und der Einfluss der Kirche radikal zurückgedrängt wurde. Auch in diesem Kontext ist ihre Neugründung als Antwort auf die Bedürfnisse der nachrevolutionären Zeit zu verstehen.
Gerade die Verfolgung der kirchlichen Vertreter im Zuge der Französischen Revolution forderte ihren Mut für die Unterdrückten heraus: Vielen französischen Priestern verhalf sie zur Flucht nach England.
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Abtei Saint-Sauveur-le-Vicomte |
Um ihrem Wirken einen Ort zu geben, waren die Schwestern der Kongregation immer wieder auf der Suche nach einem geeigneten Platz, wo sie sich endgültig niederlassen konnten. Diese Phase war von vielen Rückschlägen geprägt und erforderte viel Geduld. Im Jahr 1832 fand die junge Gemeinschaft ihr Mutterhaus schließlich in der aus Ruinen eigenhändig wieder erbauten ehemaligen Benediktinerabtei Saint-Sauveur-le-Vicomte in der Normandie. Diese Abtei ist auch heute noch der Mittelpunkt der französischen Stammkongregation.
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Sr. Placida Viël |
Placida Viël, eine Mitschwester aus der ersten Stunde der Ordensgründung, führte das begonnene Werk Maria Magdalenas nach deren Tod am 16. Juli 1846 fort. Unter ihrem Einfluss wurde die Ordensgemeinschaft 1859 offiziell als Kongregation von Papst Pius IX. anerkannt. 1908 erfolgte die Seligsprechung der Ordensgründerin Maria Magdalena, 1925 dann die Heiligsprechung durch Papst Pius XI. Placida Viël wurde 1951 seliggesprochen.
Das Wirken Placida Viëls sollte sich für die Entwicklung des deutschen Ordenszweiges als entscheidend erweisen: Durch den Kontakt zu vier Lehrerinnen aus dem thüringischen Eichsfeld, die sich der Kongregation anschlossen, entstand schon 1862 die erste deutsche Niederlassung des Ordens in Heiligenstadt. Von daher rührt auch der landläufig verbreitete Name der Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel: „Heiligenstädter Schulschwestern“.
Der Erste Weltkrieg führte zur Abtrennung der deutschen Ordensprovinz, die 1920 zur selbständigen Kongregation mit dem Mutterhaus Heiligenstadt wurde. Von dort aus gründeten die Schwestern in den zwanziger und dreißiger Jahren Niederlassungen in den Niederlanden, in Bolivien und Brasilien.
Die internationalen Kontakte waren allerdings nach dem Zweiten Weltkrieg gefährdet, denn Heiligenstadt befand sich auf dem Gebiet der weitgehend isolierten damaligen DDR. Deshalb benötigte die westdeutsche Provinz ein neues Ordenszentrum, das zunächst in Geseke lag, bevor 1965 bis 1971 das Bergkloster in Bestwig gebaut wurde.
Ein Jahr später erfolgte die Erweiterung des Ordens durch die Eingliederung der „Placida-Gemeinschaft“. Ihr gehören Frauen an, die in ihrer Familie und ihrem Beruf bleiben, zugleich aber in einer Gebets- und Gesinnungsgemeinschaft mit den Ordensschwestern stehen. In besonderer Weise bemühen auch sie sich um ein Leben im Geiste des Evangeliums.
2003 kehrt die Gemeinschaft nun mit dem Generalat zu ihren Wurzeln nach Heiligenstadt im Eichsfeld zurück.
Die ehemals ost- und westdeutschen Provinzen sowie die niederländische Provinz werden zur europäischen Provinz mit Sitz im Bergkloster Bestwig.




